Finanzielle Bildung ist unerlässlich

Finanzbildung

Wenn ich mit anderen über Finanzen, Vermögen und Geldanlagen rede, dann bekomme ich oft zu hören, dass man heutzutage gar kein Vermögen aufbauen kann. Schließlich gäbe es auf den Sparbüchern und Tagesgeldkonten fast gar keine Zinsen mehr und selbst diese würden von der Inflation aufgezehrt werden. Wenn ich dann aber frage, was sie denn außer den beiden genannten Anlagen noch so kennen, kommt meistens noch Aktien, Immobilien und Anleihen. Im gleichen Atemzug kommt aber auch schon der Einwand, dass diese allerdings viel zu riskant seien und man hier sowieso nur sein Geld verliert. Außerdem kenne man sich damit überhaupt nicht aus. Und dieser letzte Satz ist zu 99% aller mir bekannten Fälle der Grund, warum diese Menschen über kein nennenswertes Vermögen verfügen. Sie sind Finanzidioten und merken es noch nicht mal. Leider verbietet es mein Anstand es den Leuten genau so deutlich ins Gesicht zu sagen, obwohl es sicherlich den Einen oder Anderen wachrütteln würde. Meine Erfahrungen zeigen aber auch, dass die Leute das gar nicht hören wollen und dich schief anschauen, wenn du ihnen Alternativen aufzeigen willst.


Falsche Prioritäten und ihr Ursprung

Ich kenne viele, die jede Woche die Prospekte der hiesigen Supermärkte nach den vermeidlichen Schnäppchen studieren. Dafür werden teilweise stunden aufgewendet, um im Supermarkt A den 0,15 € günstigeren Bergkäse und im Supermarkt B den 0,50 € günstigeren Aufschnitt zu identifizieren. Dass sie diesen ersparten Betrag dann aber für Sprit ausgeben, um vom Supermarkt A zum Supermarkt B zu kommen, sehen die meisten schon gar nicht mehr. Wenn sie das Wort Rabatt lesen, dann schaltet das Hirn alles andere aus. Auf der anderen Seite wenden aber genau diese Menschen nicht mal eine halbe Stunde pro Monat dafür auf, um sich finanziell zu bilden. Aber genau diese Bildung wäre von Nöten, um eben sein Vermögen zu vermehren und nicht jeden gesparten Euro von der Inflation auffressen zu lassen. Warum ist das bei vielen deutschen Bürgern genau so?

Meine Vermutungen lautet wie folgt: Die Generationen vor der unseren brauchten gar keine finanzielle Bildung, um das Geld zu vermehren. Man musste sich nicht mit Immobilien und Aktien beschäftigen, weil es Sparbücher und Festgeld gab. Immobilien und Aktien war der oberen Schicht vorbehalten. Schließlich kosteten Aktientransaktionen sehr hohe Gebühren (teilweise mehrere hundert DM), sodass nur wirklich hohe Summen als Anlage lohnenswert waren. Für den Mittelstand, der vielleicht ein paar hundert Deutsche Mark pro Monat sparen konnte, waren solche Gebühren natürlich viel zu hoch. Jeder der flexibel sein wollte, legte sein Geld auf das Sparbuch und bekam 3 – 4 % Zinsen. Hatte er nun ein größeren Sümmchen zusammen und wollte er den Renditeturbo, dann legte er das Geld für 5, 10 oder noch mehr Jahre fest an und kassierte dann pro Jahr zwischen 5 und vielleicht 10 % Zinsen. Mit beiden anlagen lag er über der Inflationsrate und konnte so stetig sein Vermögen vermehren, wenn er es denn gewissenhaft weiterbetrieb. Das ging über viele Jahrzehnte sehr gut und die Deutschen sparten sich so ein Billionenvermögen zusammen.

Seit der globalen Finanzkrise 2007-2009, die ihren Ursprung im US-amerikanischen Immobilienmarkt hatte, wurde jedoch alles auf den Kopf gestellt. Banken mussten reihenweise gerettet werden und die Finanzierungen wurden über immer niedrigere Leitzinsen gewährleistet. So schmolz allmählich die Zinsrendite auf den Sparbüchern auf bis zu 0%. Teilweise erhoben und erheben immer noch Banken Strafzinsen, wenn die Kunden zu viel Geld auf den Konten hielten oder halten. Damit wurde gewährleistet, dass die Bürger nicht das Geld horteten, sondern wieder in den Wirtschaftskreislauf pumpten, um den stotternden Motor wieder zum Laufen zu bringen. Was in der Theorie gut klingt und auch ihre Wirkung zeigte, ist für den deutschen Einheitssparer der Dolchstoß gewesen. Denn plötzlich bekam man eben keine 5 % Zinsen pro Jahr, nur weil man sein Geld auf dem Sparbuch bunkerte. Vielmehr wurde, zwar nicht nominell, jedoch rein faktisch, das Geld auf den Konten immer weniger. Die unsichtbare Geldentwertung fraß und frisst jedes Jahr immer ein Stück mehr von dem Ersparten. Hatte man früher eine Inflationsrate zwischen 2 und 3 % per anno, konnte man trotzdem mit 3 – 10 % Zinsrendite (je nach Anlageart und Anlagedauer) stets über der Inflation seinen Geldwert vermehren. Das läuft jetzt nicht mehr. Die Inflation ist momentan vielleicht nominell etwas geringer, zwischen 1 und 2 %, dafür findet man aber kein Sparbuch oder Tagesgeld, welches über den Inflationsmarken liegt. Und selbst beim Festgeld findet man, wenn es gut läuft, 2% Rendite pro Jahr und zwar vor Steuern. Dafür muss man allerdings sein Kapital auch zwischen 5 und 10 Jahren binden.

Was früher total super funktionierte und auch der Grund war, warum z.B. meine Mutter durch eisernes Sparen ein Eigenheim kaufen konnte, klappt jetzt nicht mal ansatzweise. Das Problem für unsere Generation und vielleicht auch noch für unsere Kinder ist aber das, dass unsere Eltern uns (und wir unseren Kindern) immer noch erzählen und beibringen, dass man sein Geld eisern sparen und auf Sparbüchern, in Tagesgeld und Festgeld anlegen solle. Und genau das ist so ziemlich das schlimmste, was man zur Zeit machen kann. Nur der totale Konsum wäre noch fataler.

Falsche Glaubenssätze und die Flucht daraus

Auch ich wurde von meiner Mutter so erzogen, dass ich einen Teil meines Geldes auf mein Sparbuch legen sollte. Nur so könne ich mir dann später etwas leisten, vielleicht ein Eigenheim oder ein besseres Auto. Ich interessierte mich kein Stück für Finanzen. Warum denn auch? Meine Mutter zeigte mir, dass es durch das Sparen geht und dass es nach ihrer Meinung auch der einzige Weg war, um Vermögen anzuhäufen. Ich nahm es so hin und verfolgte keine Alternative dazu. Erst viele Jahre später, als ich selber schon ein Kind hatte und mich um unsere finanzielle Existenz sorgte, begann ich erst selbstständig zu denken und meine finanzielle Bildung voranzutreiben. Als ich die ersten Aktien kaufte, war der Durchbruch für mich vollzogen. Ich musste zu dieser Zeit natürlich viel Gegenwind ertragen, sodass ich teilweise sehr defensiv mit dem Thema gegenüber Freunden und Verwandten umging. Meine Mutter machte sich natürlich gleich wieder Sorgen, dass ich mein ganzes Geld verliere und auch meine anderen Familienmitglieder und Freunde warnten mich vor dem Totalverlust und fügten als Beispiele den Kursverlauf der T-Aktie Anfang des neuen Jahrtausends an. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht allzu viel Gegenargumente liefern, da mein Kenntnisstand einer tieferen Diskussion nicht standhielt. Es war eher ein Gefühl als Wissen, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt einen Börsencrash erlebt, hätte ich wahrscheinlich alles hingeschmissen und wäre in alte Muster verfallen.

Ich denke, dass ich hier keinen Einzelfall darstellte, sondern eher der Durchschnitt war. Genau so dürfte es eben vielen von euch gehen. Ihr wollt vielleicht etwas Anderes ausprobieren, etwas Anderes machen, jedoch weisen euch die Glaubenssätze eurer Umwelt ständig in die Schranken. Ihr sollt das machen, was eure Eltern gemacht haben, was eure Freunde machen, was euer gesellschaftlicher Stand euch vorgibt. Jeder Ausbruch aus diesen Zwängen wird mit schiefen Blicken, mit Gelächter und teilweise Ausgrenzung bestraft. Da hart zu bleiben und doch sein eigenes Ding durchzuziehen, bedarf schon einer größeren Anstrengung und auch eines festen Charakters. Aber das aller wichtigste dabei ist der Zweck. Ohne einen festen Zweck, warum ihr all das tut, werdet ihr es wahrscheinlich nicht schaffen. Ihr müsst eure Bestimmung finden, für die ihr brennt. Nur dann könnt ihr die ganzen Unannehmlichkeiten überstehen und euch aufraffen gegen den Strom eurer Umwelt zu schwimmen.

 

Warum finanzielle Bildung so wichtig ist

Als ich anfing mich über die Aktienmärkte zu informieren, wusste ich noch gar nicht, wohin mich meine Reise führt. Ich weiß heute noch nicht mal, wie ich konkret darauf gekommen bin. Ich weiß nur, dass ich irgendwann ein Aktiendepot eröffnen musste und mein erstes Geld dort einzahlte. Kurz darauf, nach einer eher dürftigen Recherche, kaufte ich die ersten Aktien. Ich hatte keinen Plan und ich wusste nicht was ich tat. Ich wusste nur, dass ich es tun musste. Das klingt komisch und auch ein wenig esoterisch, aber ich denke, ich habe in dem Moment meine innere Bestimmung gefunden. Von dort an habe ich mich nahezu täglich mehrere Stunden aus-, fort- und weitergebildet. Ich besuchte unzählige Webinare, Vorträge und Seminare, ich las viele Bücher, tauschte mich in Fachforen aus und schaute mir viele Youtube-Videos zu diesem Thema an. Ich saugte jede Information in mich auf. Zwischenzeitlich beging ich aber auch leichtsinnige Fehler auf dem Aktienmarkt und crashte fast mein gesamtes Depot. Das war zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr so schlimm, weil ein solcher Rückschlag mich nicht mehr zum Aufgeben gebracht hätte. Ganz im Gegenteil, ich konzentrierte meine Lernaktivitäten noch mehr, um wieder in die Gewinnzone zu kommen. Und genau das schaffte ich auch wenig später. Von da an wuchs mein Depot kontinuierlich an.

Warum erzähle ich euch das? Wie bereits weiter oben dargelegt, halte ich die heutige Zeit im Bezug auf Finanzen und Geldanlagen für viel komplexer als noch vor 10, 30 oder 50 Jahren. Daher ist eine umfassende Bildung im Finanzbereich für jeden unerlässlich. Jeder sollte heute wissen, wie er sein Geld anlegen kann, welche Risiken und welche Renditen jede einzelne Anlageklasse bereit hält. Auch wenn ich hier oft Aktien als Anlageklasse anspreche, so ist das definitiv nicht die einzige Anlageklasse, die in Frage kommt. Aktien sind schwankungsanfällig und sicherlich nicht für jeden geeignet. Aber daneben gibt es auch noch Renditeimmobilien oder andere Unternehmensbeteiligungen. Auch die neuen Anlagearten wie Peer-to-Peer Kredite könnten interessant sein. Man muss sich im Vorfeld nur genügend damit befassen, um selbst entscheiden zu können, wo man sich wohler fühlt. Du kannst auch in Aktien mit einem Mindestmaß an Wissen, Zeit und Geld investieren. Man sollte aber einfach dieses Grundlagenwissen erst mal aufbauen. Du musst auch nicht jede Anlageart im Detail kennen, man muss nur die richtige(n) für sich finden.

Nur mit finanziellem Wissen kann man seine Geldanlagen in die eigene Hand nehmen. Und das halte ich für essentiell. Ich würde mein Vermögen keinem „Kundenberater“ einer Versicherung oder einer Bank anvertrauen. Kundenberater setze ich hier nicht ohne Grund in Klammern. Wer denkt, dass er tatsächlich eine Beratung im Sinne des Kunden durchführt, sollte ganz dringend anfangen mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Der Kundenberater ist nichts anderes als ein Verkäufer von Produkten seiner Firma. Er ist weder unabhängig, noch ist er eurem Wohl verpflichtet. Er ist nur seinem Unternehmen und seinem eigenen Geldbeutel verpflichtet. Wenn Bank A vorgibt, dass der Fonds X im Verkauf forciert werden soll, dann kann man ganz stark davon ausgehen, dass der „Kundenberater“ genau diesen Fonds so vielen Kunden wie gesetzlich möglich empfehlen wird. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Fonds Y oder der ETF Z viel besser zum Kunden passen würde. Natürlich muss er das unter Berücksichtigung der Gesetze tun, aber euer Wohl steht gesetzeskonform ganz hinten auf seiner Prioritätenskala. Wer das anfängt zu begreifen, ist schon einen guten Schritt weiter.

Fazit

Laut einer ING-DiBa-Studie aus dem Jahr 2013 geben 53 % aller Deutschen an keine oder nur eine unzureichende Finanzbildung zu haben. In einer zunehmend schneller werdenden und veränderten Finanzwelt ist ein Basiswissen unerlässlich, um sein Vermögen zu verwalten und zu mehren. Man hat heutzutage sehr viel mehr Möglichkeiten sein Geld anzulegen, man muss nur wissen wie. Leider investieren die meisten Menschen zu wenig Geld und Zeit für ihre Finanzbildung. Damit rauben sie sich bereits im Vorfeld vieler Möglichkeiten ihr Vermögen auf gesunde und aussichtsreiche Beine zu stellen. Immer noch sind Sparbücher und Tagesgeld des Deutschen Liebling, selbst wenn sie fast gar keine Rendite mehr bringen. Das geschieht in erster Linie wegen falscher Glaubenssätze und der veralteten, nicht mehr praktikablen Erfahrungen unserer Umwelt und Vorgenerationen. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, sollte auf eurer Agenda ganz oben stehen, auch wenn ihr vielleicht aus eurem Freundes-, Bekannten und Familienkreis nur Ablehnung erhaltet. Im Grunde habt ihr auch keine andere Wahl, wenn ihr nicht nur jammern wollt, dass die Inflation euer Vermögen schmelzen lässt. Das beste Investment eures Lebens ist die in eure Finanzbildung. Wenn ihr wisst, wie man Geld vermehrt, dann werdet ihr früher oder später das auch tun.

1 Kommentar

  1. Ein Unterrichtsfach Finanzbildung in der Schule wäre ein erster Schritt um gleich junge Leute an die Materie, Geld und Geldanlagen zu führen. Solch ein Fach müsste dann aber auch von einem versierten Praktiker unterrichtet werden. Jeder Abiturient sollte den Basics im Finanzwissen aufweisen, und zumindest Anlageklassen und Renditen kennen.

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