Rheinmetall AG – (M)eine Aktienanalyse

Rheinmetall Titelbild

Wie ihr es bereits gewohnt seid, stelle ich euch wieder eine Aktienanalyse vor. Dieses Mal habe ich die Rheinmetall AG unter die Lupe genommen. Und wieder erfolgt das in einer Kooperation mit Daniel Wagner von Investor-Stories. Ihr Könnt also meine Analyse in etwas abgespeckter Form auch in Daniels interessantem Podcast anhören, wenn ihr keine Lust aufs Lesen habt.

Einen Hinweis in eigener Sache will ich allerdings zuvor noch loswerden. In nächster Zeit werde ich keine aufwendigen Aktienanalysen mehr machen. Das hat mehrere Gründe. Zunächst ist es sehr zeitaufwendig solche Analysen vorzubereiten. Und ich merke, dass es mir persönlich immer weniger Spaß gemacht hat. Darüber hinaus will ich mein Portfolio immer weiter mit einem Schwerpunkt auf ETFs richten. Dadurch werde ich mehr Zeit für andere Projekte und Investitionen freibekommen und gleichzeitig meine Börsen-Investitionen weitestgehend durch Sparpläne automatisieren. Mein Ziel ist es nämlich nicht durch Aktiengeschäfte Kapital aufzubauen, sondern aus anderen Investitionen das freie Kapital in ETFs anzulegen. Aber hierzu werde ich auch noch mal einen gesonderten Blogbeitrag schreiben.

Nun aber wünsche ich euch viel Spaß bei der Rheinmetall-Analyse. Wie immer gilt, es handelt sich hierbei um keine Aktienempfehlung, sondern lediglich um meine Meinung und Sichtweise auf das Unternehmen. Jeder sollte solche Investmententscheidungen selber treffen, nachdem er sich mit dem jeweiligen Unternehmen ausführlich beschäftigt hat.

Kurzvorstellung Rheinmetall

Rheinmetall ist ein traditionsreiches Rüstungsunternehmen und gleichzeitig auch ein wichtiger Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf. Rheinmetall hat weltweit 23.780 Mitarbeiter, die in 143 Staaten in Lohn und Brot stehen. Der überwiegende Teil dieser Mitarbeiter wird in Europa, Asien und auf den amerikanischen Kontinenten eingesetzt. Die Rheinmetall AG ist im deutschen MDAX gelistet.

Historie der Rheinmetall AG

Rheinmetall kann mittlerweile auf eine 131-jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Hier möchte ich die wichtigen Meilensteine kurz skizzieren.

1889 wurde durch den Hörder Bergwerks- und Hütten-Verein die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Aktiengesellschaft (kurz: Rheinmetall AG) als Rüstungsunternehmen für die Munitionsproduktion für das Deutsche Reich gegründet. Im gleichen Jahr wurde das Werk in Düsseldorf-Derendorf fertiggestellt und die Produktion lief an.

Nach Auftragsexpansion in den Folgejahren, wurde 1892 die Metallwerk Ehrhardt & Heye AG in Düsseldorf-Rath erworben und 1896 als Abteilung Rath in das Unternehmen eingegliedert.

Im gleichen Jahr wurde das erste Schnellfeuergeschütz vorgestellt und nach einigen Vorbehalten 1897 eingeführt, welches zum bis dahin größten wirtschaftlichen Erfolg wurde.

1901 wurde die in Konkurs gegangene Munitions- und Waffenfabrik AG in Sömmerda erworben und in das Unternehmen eingegliedert. Somit wurde die Produktpalette um Handfeuerwaffen und die dazugehörigen Patronen und Geschosszünder erweitert.

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges war Rheinmetall einer der größten Rüstungshersteller im Deutschen Kaiserreich und beschäftigte fast 8000 Mitarbeiter. Während des Ersten Weltkriegs wuchs die Belegschaft auf 48.000 Mitarbeiter und die Produktionsflächen im Stammwerk vervierfachte sich.

Im Zuge des verlorenen Krieges und der Restriktionen des Versailler Vertrages kam die gesamte Rüstungsproduktion zum Stillstand und ein Großteil der Beschäftigten musste entlassen werden. Nur eine Umstellung der Produktion konnte einen Konkurs verhindern. In den Folgejahren wurden im Stammwerk Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, Landmaschinen und Dampfpflüge hergestellt. Im Werk in Sömmerda wurden feinmechanische Geräte wie Schreib- und Rechenmaschinen produziert.

Rheinmetall Schreibmaschinen

1921 wurde die Produktion von Waffensystemen in geringer Stückzahl von den Alliierten erlaubt. Aufgrund mangelnder Aufträge mussten alle zivilen Produktionen bis auf die Dampfpflüge wieder eingestellt werden.

1925 erwarb das Deutsche Reich bei einer Kapitalerhöhung über ihre Staatsholding VIAG eine Mehrheitsbeteiligung an Rheinmetall.

1933 kaufte Rheinmetall den kurz vor der Liquidation stehenden Lokomotivhersteller Borsig. 1936 wurde die Fusion mit der Umbenennung in Rheinmetall-Borsig AG abgeschlossen.

In den Folgejahren nahm Rheinmetall-Borsig die Produktion für Waffen und Munition für die Wehrmacht im Auftrag des Reichskriegsministeriums auf. Die Fertigungspalette reichte von Maschinengewehren und -kanonen über Panzerabwehrgeschütze, Minenwerfer und Feldkanonen bis hin zu Flugabwehrkanonen und Eisenbahngeschützen.

1937 wurde das Tochterunternehmen Alkett in Berlin gegründet, welches für die Entwicklung und den Bau von Kettenfahrzeugen bestimmt war. In diesem Zuge wurde der Firmensitz von Düsseldorf nach Berlin verlagert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion erneut auf das Maximum gesteigert. Im weiteren Verlauf wurde das Unternehmen in das Staatsunternehmen Reichswerke Hermann Göring integriert und somit komplett verstaatlicht. Zum Ende des Krieges wurden die meisten Werke durch die Luftangriffe der Alliierten zerstört. Nach Kriegsende wurden die meisten Betriebsstätten unter den Alliierten aufgeteilt, zum Teil zerstört oder für zivile Produktionen genutzt.

Während der DDR Diktatur wurde das Werk in Sömmerda von der Sowjetunion an die DDR übergeben. Es diente in den folgenden Jahrzehnten unter dem Namen VEB Mechanik Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda als Produktionsstätte für Büromaschinen, Mopedmotoren (Simson und Spatz) und Fotoapparaten.

Nach Ende des Produktionsverbotes in der BRD in den 50er Jahren, wurde Rheinmetall-Borsig in einer Holdingstruktur in zwei unabhängige Tochterunternehmen aufgeteilt. Borsig mit Firmensitz in Berlin stellte anschließend Dampfkessel und Kälteanlagen her. Rheinmetall wurde wieder nach Düsseldorf verlagert und produzierte dort Schreibmaschinen, Stoßdämpfer, Aufzüge, Gerbereimaschinen sowie Transport- und Verladeeinrichtungen.

1956 wurde die Holding samt der Tochtergesellschaften von der BRD durch das Unternehmen Röchlingsche Eisen- und Stahlwerke GmbH (heute Saarstahl) erworben. Kurz darauf wurde Borsig an die Salzgitter AG veräußert. Im gleichen Jahr begann Rheinmetall wieder mit der Produktion von leichten Waffen für die neu gegründete Bundeswehr. 1964 folgten dann auch schwere Waffen und Waffensysteme.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die zivile Produktion durch Zu- und Verkäufe neu geordnet. 1986 wurde der Unternehmensbereich Automobiltechnik durch den Kauf des Vergaserherstellers Pierburg GmbH aufgebaut. Auf Grund der veränderten weltpolitischen Lage passte Rheinmetall 1989 seine Firmenstrategie mit einer Diversifizierung in zivile Industrieprodukte immer weiter an.

In den 90ern stärkte Rheinmetall durch Zukäufe u.a. von MaK System Gesellschaft oder der STN Atlas Elektronik seine Position und Kompetenzen im Rüstungsbereich. Aber auch die zivile Produktion, insbesondere im Bereich der Automobilzulieferung, wurde durch Zukäufe u.a. Kolbenschmidt gestärkt.

1997 wurde dann die gesamte Unternehmensstruktur umgestellt. Der Rüstungsbereich wurde in die neu gegründete Rheinmetall W&M GmbH (später Rheinmetall DeTec AG) verlagert. Der Automobilbereich wurde in die neu gegründete KSPG (später Rheinmetall Automotive AG) eingegliedert.

2000 beschloss der Rheinmetall Vorstand eine grundlegende Strategieausrichtung auf die beiden Bereiche Defence und Automotive. Das hatte zur Folge, dass einige Beteiligungen und Tochterunternehmen, die außerhalb der Neuausrichtung lagen, in den Folgejahren veräußert wurden.

Rheinmetall Unternehmensstruktur

Wie bereits angedeutet gliedert sich Rheinmetall in zwei Unternehmensbereiche: Defence und Automotive. Die beiden Bereiche werden dann nochmal in Divisionen gegliedert.

Automotive

  • Division Mechatronics
    • Schadstoffreduzierung
    • Aktuatoren
    • Magnetventile
    • Wasser,- Öl- und Vakuumpumpen
  • Division Hardparts
    • Kolben
    • Motorblöcke und Zylinderköpfe
    • Gleitlager und Buchsen
  • Division Aftermarket
    • Weltweites Ersatzteilgeschäft

Defence

  • Division Weapon and Ammunition
    • Groß- und Mittelkaliberwaffen und Munition
    • Schutzsysteme
    • Antriebssysteme und Treibladungspulver
  • Division Electronic Solutions
    • Flugabwehrsysteme
    • Soldatensysteme
    • Führungs- und Aufklärungssysteme
    • Feuerleitsysteme
    • Sensoren
    • Simulation für Heer, Luftwaffe, Marine und zivile Anwendungen
  • Division Vehicle Systems
    • Logistische Radfahrzeuge
    • Taktische Radfahrzeuge
    • Gepanzerte Kettenfahrzeuge
    • ABC-Schutzsysteme
    • Turmsysteme

Rheinmetall Vorstand

Der Vorstand eines Unternehmens kann oft der Schlüssel zum Erfolg sein. Daher blicke ich auch immer wieder bei einer Aktienanalyse auf diesen. In den folgenden Zeilen möchte ich euch die drei Vorstände des Unternehmens vorstellen, damit man ein Gefühl bekommt, wie das Unternehmen geführt wird.

Vorstandsvorsitzender

Armin Papperger

Direkt nach seinem Ingenieursstudium heuerte er 1990 in der Defence-Sparte bei Rheinmetall an, in der er mehrere Stationen durchlief. Seit 2001 war er im Management von diversen Tochterunternehmen im Bereich Defence, u.a. auch Geschäftsbereichsleiter in den Bereichen Waffe und Munition und Fahrzeugsysteme. Seit 2011 ist er Bereichsvorstand Defence und seit 2012 der Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG.

Finanzvorstand

Helmut P. Merch

Als diplomierter Kaufmann ist Merch bereits seit 1982 im Unternehmen, in dem er bei diversen Tochtergesellschaften Führungsaufgaben im mittleren und höheren Management übernommen hatte. U.a. war er Vorstandsmitglied der ehemaligen Maschinenbau-Tochter Jagenberg AG und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der früheren Elektronik-Tochter Aditron AG. Seit 2001 ist er Finanzvorstand des Unternehmensbereichs Defence und seit 2013 auch der Finanzvorstand des Mutterkonzerns.

Personalvorstand

Peter Sebastian Krause

Als gelernter Jurist sammelte er nach seinem Studium erste Erfahrungen bei der Unternehmerschaft Niederrhein-Krefeld, ehe er 1997 zur Rheinmetall-Tochter Pierburg GmbH als Leiter Hauptabteilung Personal/Recht/Personalentwicklung wechselte. 2007 wurde er dann Arbeitsdirektor und Vorstand Personal und Recht der Kolbenschmidt Pierburg AG. Seit 2014 ist er Generalbevollmächtigter für die Rheinmetall AG und Mitglied des Bereichsvorstandes Defence der Rheinmetall AG mit der Zuständigkeit für Human Resources und seit 2017 zusätzlich Personalvorstand des Mutterkonzerns.

Wie man klar erkennen kann, sind alle hier vorgestellten Vorstandsmitglieder nicht nur sehr erfahrene Manager auf ihrem Gebiet, sondern kennen durch die lange Zugehörigkeit auch das Unternehmen aus dem Eff-Eff. Durch ihre gleichzeitigen Managementtätigkeiten in den Bereichsvorständen, haben sie mutmaßlich einen sehr guten Überblick über das Unternehmen und sind dadurch auch relativ dicht an der Arbeitsebene. Das bietet sicherlich Vorteile in der Lenkung des Unternehmens. So können Informationen über kürzere Wege in den Gesamtvorstand getragen und schneller reagiert werden.

Aktionärsstruktur

Rheinmetall Aktionärsstruktur

Die Aktionärsstruktur ist gespickt mit institutionellen Investoren. Das ist in der Regel ein gutes Zeichen, wenn Fonds ein gewisses Vertrauen in ein Unternehmen haben. The Capital Group sticht hierbei mit knapp 10 % heraus. Meine Recherchen haben jedoch keine Hinweise hervorgebracht, dass dieser Investor aktiv ins Unternehmensgeschehen eingreifen möchte. Vielmehr hat Rheinmetall 2019 erklärt, dass The Capital Group passiv bleiben möchte (LINK). Zu dem Zeitpunkt hat der Fonds über 15% Anteile gehalten. Mutmaßlich durch die Corona-Pandemie hat er sein Investment in Rheinmetall zurückgefahren. Es gibt zurzeit jedoch keine Hinweise darauf, dass The Capital Group als Investor aussteigen möchte.

Konkurrenz für Rheinmetall

Rheinmetall hat erhebliche nationale als auch internationale Konkurrenz. Hier muss man die Rheinmetall AG auf die beiden Sparten Defence und Automotive aufteilen, denn es sind stark unterschiedliche Bereiche, in denen sich die Mitbewerber stark verteilen. Insgesamt muss man feststellen, dass die Konkurrenz sehr stark und zumeist sehr viel größer ist als Rheinmetall.

Defence

Im Bereich Defence ist Rheinmetall stark in Deutschland und Europa (40% des Umsatzes) involviert. 60 % verteilen sich dann auf die restliche Welt, wobei der amerikanische und asiatische Kontinent stark vertreten sind.

BAE Systems

Dieser britische Rüstungskonzern produziert neben gepanzerten Ketten- und Radfahrzeugen auch Feuerwaffen sowie militärische Informations- und Kommunikationssysteme. Mit etwas über 18 Mrd. GBP ist der Umsatz etwa 5 Mal so groß wie der der Rheinmetall Defence-Sparte.

Boeing

Boeing ist nicht nur in der zivilen Luftfahrt ein Bigplayer, sondern auch im Rüstungssektor. Neben Militärflugzeugen und Kampfjets/-hubschrauber, die eher nicht die Produktpalette Rheinmetalls tangieren, produziert Boing auch Verteidigungs-, Informations- und Kommunikationssysteme. In diesen Bereichen ist auch Rheinmetall stark vertreten. Schaut man sich die Umsätze an, wird man schnell feststellen, dass hier ganz andere Dimensionen vorherrschen. Boeing hat einen Rüstungsumsatz von ca. 30 Mrd. $ und Rheinmetall gerade einmal 3,5 Mrd. €.

Northrop Grumman

Auch dieser US-amerikanische Rüstungskonzern hat Schnittmengen mit Rheinmetall und zwar in den Bereichen Informations- und (Flug-)Abwehrsysteme. Auch Northrop Grumman hat einen deutlich größeren Umsatz als Rheinmetall und zwar ca. 33 Mrd. $.

General Dynamics

Dieser US-amerikanische Konzern steht mit Rheinmetall in Konkurrenz auf dem Gebiet der gepanzerten Ketten- und Radfahrzeuge und militärischen Informationssystemen. General Dynamics hat einen jährlichen Umsatz von knapp 40 Mrd. $.

Lockheed Martin

Dieser US-amerikanische Konzern ist mit über 47 Mrd. $ Umsatz die weltweite Nummer eins in der Rüstungsindustrie und konkurriert insbesondere bei Flugabwehrsystemen und in Simulationssystemen für das Heer und die Luftwaffe. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass Lockheed den meisten Umsatz mit militärischen Luftfahrzeugen macht und dieser Bereich ist bei Rheinmetall nahezu nicht vertreten, bis auf wenige Ergänzungssysteme für die Luftfahrt.

Automotive

In der Automotive-Sparte macht Rheinmetall einen Umsatz von ca. 3 Mrd. €. Auch hier ist die Konkurrenz ziemlich groß, schon alleine in Deutschland.

Bosch

Bosch ist ein Weltunternehmen in der Automobilindustrie und auf vielen Gebieten Weltmarktführer. Mit über 77 Mrd. € ist es das größte nichtbörsennotierte deutsche Unternehmen. Besonders auf dem Gebiet der Motor- und Abgassysteme sowie beim Ersatzteilegeschäft und Antriebstechnik steht Bosch in Konkurrenz zu Rheinmetall.

Continental

Auch Continental ist ein Schwergewicht unter den Automobilzulieferern. Mit ca. 45 Mrd. € Umsatz bedient Continental so gut wie alle Bereiche beim Automobilbau. Hier ist besonders eine Konkurrenz im Bereich der Schadstoffreduzierung und Antriebstechnik zu Rheinmetall gegeben.

SHW

SHW ist ebenfalls ein Automobilzulieferer mit Schwerpunkt bei Pumpen und der Schadstoffreduktion. Mit knapp 430 Mio. € Jahresumsatz ist SHW jedoch deutlich kleiner als Rheinmetall.

ZF Friedrichshafen

ZF ist im Bereich Antriebstechnik einer der Weltmarktführer und Rheinmetalls Konkurrent. Mit einem Umsatz von über 36 Mrd. € gehört ZF ebenfalls zu den Schwergewichten.

Wie man sieht, hat Rheinmetall in beiden Sektoren prominente und starke Konkurrenz. Nichtsdestotrotz ist Rheinmetall in einigen Nischen wie bei geschützbasierten Flugabwehrsystemen, turbobasierten Schubumluftventilen und bei Abgasrückführmodulen Weltmarktführer, welche dem Konzern mehrere hundert Millionen Euro Umsatz pro Jahr beschert.

Risiken für Rheinmetall

Politische Risiken

Die Rüstungsproduktion und deren Verkauf sind zurecht stark reglementiert. Deutschland hat eines der strengsten Genehmigungsverfahren weltweit, was den Verkauf von Waffen und Waffensystemen an andere Länder angeht. Was einerseits gut ist, ist auf der anderen Seite jedoch auch ein Risiko für das Unternehmen. Dieses ist nämlich von politischen Entscheidungen abhängig und wird mitunter dadurch stark beeinflusst. Und je linkslastiger eine Regierung ist, desto restriktiver werden Waffenexporte behandelt. Da Rheinmetall ca. 60% des Rüstungsumsatzes außerhalb Europas macht, besteht stets ein latentes Risiko eines Umsatz- und Gewinneinbruchs durch politische Entscheidungen.

Umbruch in der Autoindustrie

Politische Risiken spielen auch in der Automobilsparte eine Rolle.  Spätestens seit dem Abgasskandal wird sowohl politisch, als auch in Teilen der Gesellschaft die Abkehr von Verbrennermotoren gefordert und forciert. Grenzwerte werden immer weiter gesenkt, sodass es für die Automobilindustrie immer schwieriger wird Kraftfahrzeuge mit Verbrennermotoren zu entwickeln, die diese Werte einhalten. Zeitgleich wird die E-Mobilität mit üppigen Kaufanreizen stark gefördert und Verbrenner durch Verbotszonen aus den Innenstädten verbannt. Auch wenn beim Übergang zur E-Mobilität noch auf Sicht von etlichen Jahren Verbrennermotoren die dominante Antriebskraft bleiben wird, zumal sich Hybridfahrzeuge (Verbrenner- kombiniert mit einem E-Motor) als Übergangslösung herauskristallisieren, ist ein schleichender Untergang für Benziner und Diesel quasi beschlossene Sache. Rheinmetall besitzt größtenteils Produkte für fossile Antriebstechnik in ihrem Portfolio. Hier muss das Unternehmen den Spagat zwischen weiterer Produktion des Bestandsportfolios und dem Schwenk zu alternativen Antriebstechniken schaffen. Das geht erfahrungsgemäß oft mit rückläufigen Umsätzen, hohen Investitionen und einer Neubewertung der Marktanteile einher.

Chancen für Rheinmetall

Weltweiter Wachstum in der Rüstungsbranche

Die Rüstungsbranche steht laut Rheinmetall Geschäftsbericht 2019 auf Wachstumskurs. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sind viele Armeen, so auch die Bundeswehr, durch Sparmaßnahmen heruntergewirtschaftet worden. Die Ausrüstungen, Waffen und Waffensysteme sind veraltet und müssen zwangsläufig erneuert werden. Auch haben sich die NATO-Staaten auf einen Verteidigungsetat für jeden Mitgliedsstaat von 2% des nationalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) vertraglich geeinigt. Von den 29 NATO-Partnern erfüllen gerade einmal sieben diese Vorgaben. Deutschland, als der wichtigste Einzelkunde der Rheinmetall AG will sukzessive den Verteidigungsetat von knapp 1,36 % in 2019 auf die geforderte Zielmarke im Jahr 2031 erhöhen. Zum anderen wollen auch viele Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Armeen wehrhafter aufstellen, sodass auch dort Umsatzwachstum generiert werden soll. Und zuletzt ist auch die stetig angespannte geopolitische Lage ebenfalls ein Treiber für weitere Aufrüstung.

Opportunitäten in der Automobilsparte

Auch wenn die Vorzeichen in der Automobilsparte eher negativ sind (die Umsätze sinken), gibt es auch Licht am Ende des Tunnels. Laut der Market Research Automotive Industry Climate Studie aus Februar 2020, wird die Anzahl an Kraftfahrzeugen bis 6,0 t bis 2025 auf ca. 100 Mio. ansteigen. Das wäre eine Steigerung um rund 13 % zu den knapp 89 Mio. Kraftfahrzeugen in 2019. Auch verlagert Rheinmetall zunehmend ihren Schwerpunkt im Bereich Automotive in alternative Antriebstechnologien und die Digitalisierung. Darüber hinaus installierte das Unternehmen 2019 ein Technologiezentrum, in denen Sparten übergreifend neue Produkte entwickelt werden sollen. Dazu möchte man das Know How der beiden Sparten effizient nutzen, um Alternativprodukte, als auch neue spartenübliche Produkte für Defence und Automotiv zu entwickeln. Eine Diversifizierung außerhalb der beiden Sparten ist bereits angerollt. So hat beispielsweise ein großer und namhafter Mobilfunknetzbetreiber (Name wurde nicht benannt) die Rheinmetall AG damit beauftragt, aufwendige Gusskomponenten für eine neue Generation von 5G-Sendeanlagen zu produzieren. Daneben erhält Rheinmetall immer mehr und mehr Aufträge für batterieangetriebene, hybride oder Brennstoffzellen-Komponenten.

Rheinmetall Kennzahlen

Im Geschäftsjahr 2019 stieg der Konzernumsatz im Vergleich zum Vorjahr von 6,148 Mrd. € auf 6,255 Mrd. €. Das ist eine Umsatzsteigerung von 1,7 %. Wenn man sich nun die Umsätze und die operativen Margen in den beiden Sektoren anschaut, sieht man die deutlichen Unterschiede und den Grund für das geringe Umsatzwachstum:

Rheinmetall Umsatz nach Sparten

Während Automotive einen Umsatzrückgang von 6,6 % und einen Margenrückgang um 2,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Geschäftsjahr 2018 hinnehmen musste, konnte Defence ein deutliches Umsatzplus von 9,4 % und einen Margenanstieg von 1,9 Prozentpunkte erwirtschaften. Hier holte also die Defence-Sparte die Kohlen aus dem Feuer und sorgte für einen insgesamt positiven Geschäftsverlauf in 2019.

Rheinmetall Umsatz nach Regionen

Schaut man sich die Umsatzverteilung nach Regionen an, stellt man die Wichtigkeit des deutschen Marktes für Rheinmetall fest. Über 30% des Gesamtumsatzes macht der Konzern alleine in Deutschland. Weitere 30% wird im übrigen Europa erwirtschaftet.

Wenn man sich die langfristige Umsatzentwicklung anschaut, dann stellt man bei Rheinmetall eine gesunde Entwicklung fest. Zwischen 2013 und 2019 konnte eine kontinuierliche Umsatzsteigerung erreicht werden.

Rheinmetall Umsatzerlöse 2013-2019

Dividende

Rheinmetall betreibt eine aktive Dividendenpolitik. Der Konzern ist bestrebt kontinuierlich eine Dividende auszuschütten, um seine Aktionäre langfristig an das Unternehmen zu binden. Die festgelegte Ausschüttungsquote liegt derzeit in einem Korridor von 30 – 35 % des Ertrags nach Steuern.

Rheinmetall ist seit vielen Jahren ein Dividendenzahler. Die letzten 20 Jahre hat der Konzern stets ausgeschüttet, wenn auch nicht immer eine kontinuierliche Steigerung gegeben war. Das ist allerdings bei einem Zykliker ganz normal. Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass selbst nach Platzen der Dotcom-Blase und während der Finanzkrise 2008/2009 stets eine Dividendenausschüttung erfolgte. Das ist nicht bei jedem Zykliker der Fall und verdient eine besondere Hervorhebung.

Auf der Hauptversammlung am 05. Mai 2020 wurde für das Geschäftsjahr 2019 eine Dividende in Höhe von 2,40 € pro Aktie beschlossen. Bei rund 43 Mio. ausgegebene Aktien macht das eine Ausschüttung von knapp 103 Mio. €. Das ist eine Ausschüttungsquote von ca. 31 % gemessen am Gewinn nach Steuern von 335 Mio. €. Die Dividendenrendite beträgt 2,3 %. Das sind sehr bodenständige und nachhaltige Werte. So konnte Rheinmetall seit 2014 (0,30 € pro Aktie) die Dividende jährlich erhöhen. Das ist eine beachtliche Dividendensteigerung, auch wenn es natürlich nicht in dem Tempo so weiter gehen wird.

Rheinmetall Dividendenhistorie

Fazit zu Rheinmetall

Alleine der Fakt, dass Rheinmetall zu einem großen Teil ein Rüstungsunternehmen ist, macht es dazu, dass der Konzern nicht für jeden Investor ein Investmentcase ist. Viele Investoren lehnen es kategorisch ab in Rüstungskonzerne zu investieren. Insbesondere im Hinblick auf die zeitweise Einverleibung des Konzerns durch das Nazi-Regime während des Zweiten Weltkrieges dürfte bei so einigen negativ aufstoßen. Aber wenn man danach ginge, dürfte man z.B. auch nicht in Adidas investieren, denn neben dem Umstand, dass die Dassler-Brüder (Gründer) während der Naziherrschaft in der NSDAP waren und Adolf Dassler sogar Funktionär in der Hitlerjugend, wurden während des Zweiten Weltkrieges auch Waffen und Waffensysteme in der Adidas-Fabrik produziert. Ich habe da eine sehr klare Meinung dazu: Während der Naziherrschaft ist vieles abartig falsch gelaufen. Zum Teil wurden Unternehmen zwangsenteignet und konnten nicht einmal etwas dafür, dass in deren Werken Waffen für die Nazischergen produziert wurden. Nun über 80 Jahre später ein Investment deswegen nicht einzugehen, halte ich persönlich für Humbug. Es war einfach eine andere (schreckliche) Zeit, die allerdings auch schon lange zurückliegt und nichts mit den heutigen Konzernen zu tun hat. Wenn man nun eine grundsätzliche Abneigung gegen Rüstungskonzerne hat, ist das natürlich eine andere Sache. Für mich wäre das kein Ausschlussgrund.

Aber nicht nur ethische Gesichtspunkte sind für den einen oder anderen für eine Investition ausschlaggebend, sondern auch die wirtschaftlichen. Rheinmetall bewegt sich in zwei zyklischen Märkten und zwar in der Rüstungs- und Automobilbranche. Das kann auch mal dazu führen, dass man durch eine längere Dürreperiode gehen muss, wenn man es als langfristiges Investment ansieht. Auf Sicht von fünf Jahren dürfte Rheinmetall nach meiner Einschätzung ganz gut durch den Wandel in der Automobilbranche kommen, denn die Einbußen aus diesem Bereich kann der Konzern mit zunehmend besseren Aussichten und Auftragseingängen im Rüstungssektor überkompensieren. Zumal die weltweite Erneuerung der militärischen Ausrüstung und der allgemeinen Aufrüstung ist nicht in ein paar Jahren vollzogen. Sowas dauert erfahrungsgemäß länger und in der Zeit ist mit sprudelnden Einnahmen zu rechnen.

Dieser Optimismus lässt sich allerdings auch stark bremsen, wenn man auf die Risiken durch die Politik hinweist. Was heute von der jetzigen Regierung bewilligt wurde, kann nächstes Jahr nach den Wahlen wieder ganz anders aussehen. Besonders wenn es eine Rot-Rot-Grüne Regierung geben sollte, ist mit Gegenwind für Rüstungskonzerne und den geplanten höheren Rüstungsausgaben zu rechnen sein. Dann könnte auch ein Konzern wie Rheinmetall in Schwierigkeiten geraten, wenn man die Cashcow einsperrt.

Betrachtet man die letzten 20 Jahre, dann hat Rheinmetall durchgängig Dividende gezahlt. Es gab zwar nicht immer eine Erhöhung, sogar ein paar Senkungen zwischendurch, jedoch für einen Zykliker ist das schon sehr gut. Wenn man sich andere Automobilzulieferer im gleichen Zeitraum anschaut, dann wird man z.B. bei Continental & Co immer mal wieder Jahre ohne Dividendenzahlung feststellen. Nicht zuletzt sind die Dividendenzahlungen bei Rheinmetall deshalb stabil, weil es zwei unterschiedliche Sparten gibt, die nicht unbedingt miteinander korrelieren. Beide Sparten haben ihre Risiken. Aber sie ergänzen sich ganz gut. Nach Ende des kalten Krieges wurde die Aufrüstung zurückgefahren, dafür kam die Globalisierung und die unfassbare Konjunktur für deutsche Automobilhersteller und deren Zulieferer. Zurzeit findet genau anders herum der Umbruch statt. Der Automobilmarkt muss sich für die Zukunft neu aufstellen, was mit hohen Investitionskosten und schlechten Margen einhergeht. Dafür ist aber die Rüstungsindustrie in der wirtschaftlichen Blüte, weil viele Armeen in den letzten Jahrzehnten zusammengespart wurden und nun mit altem Zeug ausgestattet sind. Diese Armeen müssen die nächsten Jahre oder sogar über ein Jahrzehnt neu Ausgestattet werden. Besonders hier in Deutschland merkt man das bei der Bundeswehr. Und da alleine Deutschland über 30 % des Rheinmetallspartenumsatzes ausmacht und gleichzeitig bis in die 2030er Jahre eine stetige Etaterhöhung angekündigt wurde, stehen Rheinmetall Defence gute Jahre bevor.

Ich selber bin in Rheinmetall nicht investiert, das hat allerdings andere Gründe. Ich habe einen festen Grundstock an Aktienwerten, die ich nicht vorhabe in nächster Zeit umzuschichten. Mein anderes Geld, welches für die Börse vorgesehen ist, stecke ich nun in ETFs, weil ich mittelfristig meine Börsentätigkeiten reduzieren möchte. Wenn ich ein Unternehmen unter die Lupe nehme, dann kostet mich das pro Wert mehrere Stunden Recherche. Für einen ETF brauche ich einige Minuten bis maximal eine halbe Stunde, dann habe ich aber unzählige Werte integriert. Und ja, das sind mir geringe jährliche Gebühren wert, wenn ich eine Tätigkeit ausgliedern kann, die zeitaufwendig und zunehmend für mich nervig/langweilig ist. Ich konzentriere mich dann lieber auf andere Dinge, die mir bessere Erträge und mehr Freude bereiten.

Und abschließend möchte ich nochmal betonen, dass keiner Aktien aufgrund meiner (oder irgendeiner) Analysen kaufen sollte. Meine Artikel spiegelt lediglich meine Meinung wider. Sie kann richtig oder aber auch falsch sein. Das wird nur die Zukunft zeigen. Diese Analyse sollte als Hilfe oder Denkanstoß genutzt werden, um seine eigenen Gedanken zu dem jeweiligen Wert zu machen. Jeder ist für sein Handeln verantwortlich.

Hier könnt ihr weitere Analysen auf meinem Blog lesen.

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