Fünf Ratschläge an mein 20 Jahre jüngeres Ich

Ich bin heute 38 Jahre alt. Manchmal denke ich, wie weit ich heute wohl wäre, wenn ich vor 20 Jahren meinen Wissensstand von heute hätte. Ich denke, dass sich viele Menschen genau diese Frage stellen. Ich denke nicht, dass ich die letzten 20 Jahre meines Lebens vergeudet habe, aber ich weiß auch, dass zumindest der finanzielle Part meines Lebens deutlich positiver hätte verlaufen können.

Seit ich 18 Jahre alt bin, habe ich durchgehend Geld für meinen Unterhalt verdient. Gearbeitet habe ich aber schon deutlich früher. Mit 14 Jahren habe ich Zeitungen ausgetragen, mit 15 Jahren habe ich in einem Bekleidungsgeschäft gearbeitet und mit 16 und 17 Jahren habe ich gekellnert. Ich habe eigentlich schon immer mehr Geld als die meisten meiner Schulkameraden gehabt. Das aber nicht, weil ich so viel Taschengeld bekam (ich bekam keinen Pfennig Taschengeld), sondern weil ich für jede DM gearbeitet habe, als andere Mitschüler zu Hause saßen oder ihren Hobbies nachgingen.

Ich habe es aber leider versäumt einen Teil meines Geldes zu sparen. Vielmehr habe ich es mit vollen Händen ausgegeben. Das änderte sich auch nicht, als ich anstatt ein paar hundert DM in meiner Schulzeit, später ein paar tausend DM und kurz darauf Euro verdiente. Ich machte das, was jeder konsumorientierte Mensch machte: Ich passte mein Konsumverhalten an mein Einkommen an. Und schon kurze Zeit danach konnte ich gar nicht mehr glauben, dass ich noch vor wenigen Monaten mit deutlich weniger Geld habe auskommen können. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und je „angenehmer“ die Gewohnheit ist, desto schneller gewöhnt man sich auch daran. Und Konsum ist kurzzeitig immer sehr angenehm. Leider hält aber dieses gute Gefühl nicht lange an und man muss neuen Konsum generieren, um wieder dieses Glücksgefühl zu bekommen. Das ist ein niemals endender Kreislauf mit ungewissem Ausmaß. Es hat deutliche Parallelen mit Suchtverhalten, wenn man dem nicht entgegenwirkt.

Also welche Ratschläge würde ich heute meinem 20 Jahre jüngeren Ich geben? Diese Fragestellung ist für mich gerade jetzt sehr präsent, weil mein ältester Sohn 16 Jahre alt ist und eine solche Orientierung sehr gut gebrauchen könnte. Leider zeigt er ein paar sehr identische Parallelen zu meinem damaligen (Konsum-)Verhalten und das obwohl ich ihm bereits ein anderes Leben vorlebe. Zur Zeit ist Papa aber leider ein bisschen „out“ und „uncool“ mit seinen gut gemeinten Ratschlägen. Daher müsst ihr herhalten, damit ich meinen Mitteilungsdrang loswerden kann.

Warum Zeit der Schlüssel zur Geldvermehrung ist

Am meisten hat mir das Buch Eine Billion Dollar* von Andreas Eschbach die Augen über den Zinseszins-Effekt geöffnet, weil es so unfassbar krass ist. In dem Buch geht es um einen Kaufmann, der seinem 500 Jahre späteren Nachfahren eine kleine Summe vermachte. Diese kleine Summe ist über die Jahrhunderte jedoch durch Zinseinnahmen zu einem Billionenvermögen angewachsen. Um die Geschichte in dem Buch geht es mir hier nicht, obwohl es sehr interessant geschrieben ist. Mir geht es um die Verdeutlichung der Macht des Zinseszins-Effektes.

Natürlich wollen nur die wenigsten Geld für seine 500 Jahre älteren Nachfahren bei Seite legen. Aber es genügen bereits wenige Jahrzehnte, damit aus einer relativ kleinen Summe ein stattliches Vermögen entstehen kann. Als ich mit 18 Jahren Zeitsoldat bei der Bundeswehr wurde, verdiente ich weit über 2000 DM pro Monat. Wenn ich 200 DM oder umgerechnet 100 Euro pro Monat für die Altersvorsorge angelegt hätte, wären das 40 Jahre später bei einem Zins von 5 % (inflationsbereinigt) eine stattliche Summe von über 120.000 € bereits nach Steuerabzug, obwohl ich nur 48.000 € eingezahlt hätte. Von diesen 120.000 € könnte man sich anschließend dann jeden Monat 500 € als Rente auszahlen lassen und man käme fast 25 Jahre damit hin, bevor es aufgebraucht wäre. Man würde also mit 58 Jahren in den Genuss von 500 Euro zusätzlichen Einnahmen kommen und diese würde man bis zum 83. Lebensjahr erhalten.

Würde ich erst mit 38 Jahren auf den Gedanken kommen für meine Rente etwas zurück zu legen, dann müsste ich für die gleiche Summe bei gleichem Zinssatz bereits ca. 330 € jeden Monat einzahlen. Hieran erkennt man, dass die Zeit eine sehr viel niedrigere monatliche Sparrate wunderbar kompensieren kann. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass je später man mit der Altersvorsorge anfängt, desto höher muss dann die monatliche Sparrate sein. Will ich in der Hälfte der Zeit das gleiche Ergebnis erhalten, so muss ich nicht nur die doppelte Sparrate dafür aufbringen, sondern mehr als die dreifache.

Mein erster Tipp für mein jüngeres Ich wäre also: Fange früh an dich um deine Altersvorsorge/finanzielle Freiheit zu kümmern. Lieber klein anfangen und dafür früh und regelmäßig Geld investieren, als längere Zeit zu warten bis man größere Beträge angehäuft hat.

Kümmere dich selber um dein Geld

Nun haben wir geklärt, dass man auch kleinere Geldbeträge „anlegen“ bzw. „investieren“ sollte. Aber in was genau sollte man das Geld anlegen? Sollte man das Geld auf das Sparbuch legen oder vielleicht auf das Tagesgeldkonto oder Aktien oder oder oder? Um überhaupt eine Auswahl zu haben, muss man sich mit Geld und deren Anlagemöglichkeiten beschäftigen. Hierzu habe ich bereits einen Blogartikel über die Wichtigkeit der finanziellen Bildung verfasst. Um es kurz zu machen: Man sollte sich immer persönlich um seine Finanzen kümmern, weil niemand sich so gut darum kümmern würde wie man selber. Weder ein Anlageberater, noch ein anderer Finanzberater hat deinen Vermögensaufbau als Priorität. Sie haben alle zunächst andere Interessen, denen sie nachgehen, z.B. Vorgaben des Arbeitgebers ein bestimmtes Finanzprodukt zu verkaufen oder Finanzprodukte zu verkaufen, die dem Berater die höchsten Provisionen einbringen. Sicherlich mögen mitunter solche Produkte auch gut für einen selber sein, aber sie sind eben nicht vordergründig positiv für den Kunden, sondern für die Interessen der anderen involvierten Parteien. So werden oft Finanzprodukte, die viel besser zum Anlageverhalten des Kunden passen, ihm aufgrund der oben genannten Interessenskonflikte erst gar nicht angeboten bzw. empfohlen. Das muss jedem klar sein, wenn er in Investitionsfragen auf andere hört. Erst als ich mich selber um meine Finanzen kümmerte und meine finanzielle Bildung forcierte, begann ich Vermögen anzuhäufen. Davor habe ich auf Menschen gehört, die kaum mehr Geld hatten als ich und die mir Produkte verkauften, die ich nicht verstand.

Mein zweiter Tipp lautet daher: Investiere Zeit und auch Geld in deine finanzielle Bildung und kümmere dich selber um dein Geld.

Diversifikation muss man sich leisten können

Was meine ich damit? Nun, wenn man am Anfang steht und nur kleine Geldbeträge zum Investieren hat, dann ist eine breite Diversifikation nicht möglich. Sicherlich kann man einen ETF MSCI World besparen, womit man Unternehmen von der ganzen Welt und im Besonderen der USA im Portfolio hätte. Aber diese Art von Diversifikation meine ich nicht. Ich rede von einer globalen Asset-Diversifikation, d.h. z.B. einen Teil des Vermögens in Aktien, einen Teil in Immobilien, einen Teil in Gold, einen Teil Anleihen und einen Teil auf dem Tagesgeldkonto anzulegen. Das wäre eine Diversifikation, die breit aufgestellt wäre. Diese Art von Diversifikation muss man sich aber auch leisten können. Man muss also genügend Geldmittel zur Verfügung haben, um sich so breit aufzustellen. Man kann mit einer monatlich verfügbaren Sparsumme von 100 Euro oder einem niedrigen Geldbetrag nicht in Aktien, Immobilien und auch noch in Edelmetalle oder sonst etwas investieren. Daher sollte man sich auf einem Gebiet spezialisieren und dort seine ganze Energie reinstecken, um da seine Expertise aufzubauen. Die Risiken sind dann zwar meistens höher und die Geldanlage kann sehr volatil sein, aber andererseits sind die Renditen dann auch höher. Genau das wollen wir am Anfang, nämlich aus wenig viel machen und zwar in einem überschaubaren Zeitraum.

Mein dritter Tipp: Konzentriere dich am Anfang auf eine Anlageklasse und stecke dort deine ganze Energie hinein.


Falsche Glaubenssätze, falscher Freundeskreis

Wenn du bisher nicht aus deiner Komfortzone heraus musstest, dann wird es jetzt geschehen. Willst du in deinem Leben erfolgreich sein, musst du negative und limitierende Glaubenssätze aus deinem Leben streichen.

Was sind Glaubenssätze? Das ist deine innere Einstellung, deine Meinung zu etwas oder deine Überzeugung. Deine Glaubenssätze bringt dir meistens deine Umwelt bei, also Familie, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Kultur, Religion, usw. Aber auch die eigenen Erfahrungen lehren dich über bestimmte Dinge so zu denken wie du es tust.

Ein paar Beispiele für limitierende bzw. falsche Glaubenssätze:

– Reiche Menschen sind Betrüger

– Geld verdirbt den Charakter

– Lieber arm und glücklich, als reich und unglücklich

– Ohne Fleiß kein Preis

– Ich bin zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, zu unerfahren, überqualifiziert

– usw.

Was sagen diese Glaubenssätze aus? Nun sie hindern dich entweder etwas zu tun oder schränken dein Handeln so stark ein, dass du nur bis zu einem gewissen Grad kommst aber nicht darüber hinaus.

Warum sollte es nur die Auswahl zwischen „arm und glücklich“ und „reich und unglücklich“ geben? Warum nicht „reich und glücklich“? Warum sollte Geld den Charakter verderben? Das ist doch einfach nur eine Beschränkung der Umwelt, damit man nicht nach mehr Vermögen strebt.

Man sollte sich seine Glaubenssätze visualisieren, um es sich bewusst zu machen. Welche Glaubenssätze kommen von außen, also durch meine Umwelt und welche kommen aufgrund meiner eigenen Einstellung? Das ist der elementare Punkt. Kommen die meisten negativen Glaubenssätze eher von außen, dann muss ich meine Umwelt verändern. Dabei meine ich nicht, dass ich meine Umwelt bekehren sollte, denn das ist extrem aufwendig, zeitraubend und oft nicht von Erfolg gekrönt. Nein, vielmehr sollte man dann seinen Freundes- und Bekanntenkreis austauschen. Das klingt hart und ist es auch. Aber wenn man erfolgreich sein will, dann braucht man erfolgreiche Menschen um einen herum, die einen pushen und nicht die einen bremsen.

Wenn die negativen Glaubenssätze überwiegend von mir selber kommen, dann muss ich mich erst mal neu programmieren. Das erreiche ich ebenfalls durch das Bewusstmachen meiner negativen/limitierenden Glaubenssätze, die man anschließend neutralisiert und durch positive Glaubenssätze ersetzt. Das lässt sich leider nicht in ein paar Sätzen im Detail erklären. Im Grunde wird man durch bestimmte Techniken (Affirmation oder NLP) auf positives Denken eingestellt. Hierzu gibt es weitreichende Literatur, z.B. Das Robbins Power Prinzip: Befreie die innere Kraft* oder Grenzenlose Energie – Das Powerprinzip: Wie Sie Ihre persönlichen Schwächen in positive Energie verwandeln*.

Mein vierter Tipp für mein jüngeres Ich: Befreie dich von negativen Glaubenssätzen und umgebe dich von positiven und erfolgreichen Menschen, die dich pushen anstatt dich zu bremsen.

Keine Angst Fehler zu machen

Was in anderen Ländern vollkommen normal ist und auch irgendwo zum Erfolgreichwerden dazu gehört, gilt in Deutschland immer noch als verpönt. Ich rede von Fehlern, die man im Investment- oder Businessbereich macht. Fehler und sogar temporäres Scheitern gehören zum Leben dazu und sind ungemein wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung und um wichtige Erfahrungen zu sammeln. Besonders in jungen Jahren sind Fehler leicht verkraftbar, weil das eingesetzte Kapital meistens nicht so hoch ist, man noch genügend Lebenszeit zur finanziellen Regenerierung und keine finanzielle Verantwortung für Frau und Kinder hat. Das Scheitern wird darüber hinaus auch von staatlicher Seite stets aufgefangen, da das soziale Sicherheitsnetz in Deutschland eines der besten der Welt ist. Niemand muss sich ernsthaft um seine Existenz fürchten.

Wenn ich hier über Fehler schreibe, dann meine ich damit nicht bewusste und offensichtliche Fehler zu machen, sondern eher etwas zu wagen, bei dem Fehler wahrscheinlich oder möglich sind.

Mein Letzter Tipp: Hab keine Angst vor Fehlern und dem Scheitern, sondern lerne daraus und komme gestärkt zurück.

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