Mein finanzieller Lebenslauf

 

Für meinen ersten Blogeintrag habe ich mir überlegt meinen finanziellen Werdegang etwas ausführlicher zu skizzieren, damit man sich ein etwas besseres Bild über mich und meine Anlagemethoden machen kann. Ich hoffe, dass man daran erkennen kann, dass quasi jeder etwas für seine Finanzen tun kann. Ich bin keiner, der mit dem goldenen Löffel zur Welt gekommen ist. Ich musste den überwiegend größten Teil unseres Familienvermögens selber erwirtschaften.

 

Meine Kindheit

Mein Leben verlief nicht immer geradlinig. Vielmehr war es eine Weile ein Leben am finanziellen Limit. Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Meine Mutter hatte mich, mit Hilfe ihrer Eltern, alleine großgezogen. Die ersten sieben Jahre verbrachte ich in Usbekistan, das zu der Zeit noch zur Sowjetunion gehörte. Wir gehörten zu den sogenannten Spätaussiedlern, die 1987 die Erlaubnis zur Ausreise nach Deutschland erhielten.

In Deutschland begann für meine Familie und mich ein neues Leben, mit einer in Teilen fremden Kultur, fremden Sprache und keinerlei finanziellen Rücklagen. Geld- und Sachvermögen durfte man aus der Sowjetunion nur in geringen Mengen ausführen, sodass meine Familie fast unser ganzes Hab und Gut an Freunde und Verwandte, die in dem sozialistischen Land zurückblieben, verschenkte. Umso bemerkenswerter war es, dass meine alleinerziehende Mutter bereits Mitte der 90er Jahre, mit der Unterstützung ihrer Eltern und weiterer Verwandtschaft, ein eigenes Haus kaufen konnte und das komplett ohne Bankfinanzierung. Das Haus hatte zu diesem Zeitpunkt inkl. Umbau knappe 150.000 DM gekostet. Meine Mutter war in der Sowjetunion zwar eine leitende Beamtin bei der Post, diese Qualifizierung wurde in Deutschland jedoch nicht anerkannt, sodass sie hier als gewöhnliche Postbotin im Angestelltenverhältnis ihr Einkommen verdienen musste. Was das Sparen anbetraf, war meine Mutter für mich ein riesiges Vorbild, auch wenn ich es später zunächst gar nicht beachtete.

 

Mein finanzieller Irrweg

Als ich Ende der 90er Jahre mit der Schule fertig war, zog es mich zunächst in die große Welt hinaus. Ich ging zur Bundeswehr und trat dort meinen Grundwehrdienst an. Mangels weiterer beruflicher Perspektiven und der gleichzeitigen Möglichkeit dort zu bleiben, verpflichtete ich mich als Zeitsoldat für zunächst vier und später sogar acht Jahre. Als junger Bursche verdiente man bei der Bundeswehr nicht schlecht. Ich habe deutlich höheren Lohn bekommen als fast alle meine Schulkameraden und Freunde, die normale Ausbildungen begannen oder im Studium waren. Auch war ich bei einem Auslandseinsatz im Kosovo und in Mazedonien. Hier hatte ich extrem gut verdient (180 DM pro Tag zusätzlich zum normalen Gehalt). Und trotzdem hatte ich am Ende des Monats nahezu nie Geld übrig. Ich gab es mit vollen Händen und genauso schnell aus wie es reinkam. Zu diesem Zeitpunkt kam es nicht selten vor, dass ich nur aufgrund meiner Mutter und Großeltern, die mir ab und zu Geld zusteckten, keine größeren finanziellen Schwierigkeiten bekam.

 

Die Wende mit Hindernissen

Irgendwann, das war etwa zum Ende meiner Bundeswehrzeit, machte es bei mir Klick. Ich musste mir grundlegende Gedanken um meine weitere berufliche Zukunft und mein Leben machen. Ich war Mitte 20 und hatte bisher weder Rücklagen, geschweige denn substanzielles Vermögen aufgebaut. Ich wusste, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Ich wollte nicht mehr von der Hand in den Mund leben und mir jeden Monat Gedanken machen müssen, ob das Geld denn ausreicht.

Als ich dann in das Beamtenverhältnis beim Land NRW eintrat und gleichzeitig auch meine jetzige Frau kennenlernte, veränderte sich plötzlich meine finanzielle Situation. Ich achtete auf meine Ausgaben und sparte jeden Monat ein paar hundert Euro, obwohl ich im Vorbereitungsdienst (so nennt man das Studium/die Ausbildung bei den Beamten) „nur“ etwa 1000 Euro bekam und damit etwa die Hälfte von dem, was ich zuvor bei der Bundeswehr verdiente. Ich lernte meine Leidenschaft für die Finanzmärkte kennen und beschäftigte mich in meiner Freizeit quasi nur mit der Börse. Ich entdeckte das Trading für mich und nachdem ich etwa 5000 Euro angespart hatte, wollte ich diese an der Börse anlegen.

In recht kurzer Zeit verdoppelte ich den Geldbetrag und ich dachte, ich wäre der weltgrößte Börsenhändler, bis mir Mister Market zeigte, dass ich nur ein kleiner dummer Junge war, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. So kam es wie es kommen musste und ich erdete mein Depot auf fast null. Solche mentale Schmerzen hatte ich vorher noch nie erlebt. Ein paar Wochen vorher war ich noch der große Börsenguru und nun habe ich fast alles verloren? Auch wenn ich kurzzeitig gar keine Lust mehr auf Börse hatte, ließ ich nicht locker und verschlang jedes Buch, jedes Hörbuch, jeden Blog, jedes Forum und jedes Youtube-Video, was ich finden konnte. Nachdem ich die Gelegenheit hatte von ein paar profitablen Tradern etwas abzuschauen, wendete sich mein Blatt und auch ich wurde im Trading profitabel. Innerhalb weniger Jahre habe ich aus einem vierstelligen Depotbetrag einen höheren fünfstelligen Betrag erwirtschaftet.

 

Börse

Da ich in meiner Freizeit nur noch vor Charts und Analysen saß, legte meine jetzige Frau zurecht ein eindeutiges Veto ein. Ich überlegte eine kurze Zeit sogar, ob ich nicht meinen Beamtenjob hinschmeißen sollte und nur noch als Trader mein Geld verdienen sollte. Jedoch waren meine finanziellen Mittel zu der Zeit bei weitem nicht ausreichend, um nur vom Trading leben zu können. Ich verwarf diesen Plan und entschied meinen Anlagestil grundsätzlich zu verändern. Ich stellte meine Strategie auf langfristige Anlagen um, bei denen ich nicht mehr jeden Tag vor dem Bildschirm sitzen musste. Diese Strategie verfolge ich bis heute noch.

Im Kern geht es darum unterbewertete Unternehmen oder Branchen mit Potential zu finden. Ich lasse die Finger von Kleinstunternehmen und Pennystocks und kaufe nur Firmen, die ich kenne und deren Geschäftsmodell ich verstehe. Das dürfte dem Einen oder Anderen Börsenkenner bekannt vorkommen. Ja, ich bin natürlich nicht der Erfinder dieser Anlagestrategie. Vielmehr haben mich Benjamin Graham und Warren Buffet inspiriert, wobei ich schon meine eigene Investitionsmethode kreiert habe.

Ich trade auch heute noch ein wenig, jedoch ist der Anlagehorizont nicht mehr wenige Stunden bis wenige Tage, sondern wenige Wochen bis mehrere Monate. Das führt ebenfalls zu deutlich weniger Präsenzzeit am Rechner. Ich schaue jeden Tag ein paar Mal für jeweils ein paar Minuten auf mein Depot und ein bis zwei Stunden in der Woche mache ich eine kurze Analyse von neuen Unternehmen und aktualisiere meine Watchlist. Aufgrund von zwei kleineren Erbschaften und weiterer sehr guter Performance meines Depots, ist mein Aktienvermögen mittlerweile auf einen stattlichen sechsstelligen Betrag angewachsen.

 

Immobilien

Da mit dem Vermögenszuwachs auch meine Bonität deutlich gesteigert werden konnte, rückten dann vor etwa 6 Jahren auch Immobilien in meinen Anlagefokus. Zunächst kauften wir jedoch ein Eigenheim mit einer Einliegerwohnung. Der Verkäufer hatte in der Einliegerwohnung sein Ingenieursbüro und wollte noch fünf Jahre dieses betreiben. So wurden wir mit Anschaffung unseres Hauses auch gleichzeitig Vermieter. Dabei merkte ich recht schnell die Vorteile von Renditeobjekten. Denn alleine unsere knapp 60 qm große Einliegerwohnung konnte durch die Mieteinnahmen etwa ein Drittel der Finanzierungskosten für unser 230 qm großes Haus decken. Das fand ich schon sehr cool. Auch hier entdeckte ich schnell meine Leidenschaft, sodass ich jede Information darüber verschlang. Bis heute konnte ich Wohneinheiten im zweistelligen Bereich erwerben, die sich in unserem Privatbesitz befinden und die ich selber verwalte. Da Immobilien neben der Börse meine zweite große Leidenschaft sind, wird man hier im Blog einiges darüber lesen können. Hierbei werde ich viel über meine Objekte schreiben, ich werde euch in meine Objekte mitnehmen und euch zeigen, wie ich verwalte, saniere und vermiete. Ich denke, dass es für jeden interessant ist, der sich mit dem Thema beschäftigen will und noch ganz am Anfang steht.

 

Nebenberufliche Tätigkeiten

Vor etwa 15 Jahren hatte ich mich zum ersten Mal nebenberuflich selbstständig gemacht. Ich kaufte unterschiedliche Handelswaren in China und verkaufte diese auf eBay. Irgendwann waren mir die Margen zu gering, sodass ich es nach kurzer Zeit wieder einstellte.

Danach hatte ich noch ein Online-Auktionshaus, finto.de, welches zwar schon eine anständige Größe hatte, jedoch weit entfernt war ein profitables Unternehmen zu werden. Ich verkaufte es schließlich über eBay für 2000, 3000 oder 4000 Euro (ich weiß es nicht mehr) an jemanden, der das Geld zwar überwiesen hatte, jedoch keine Übertragung der Domain und des Inhalts machte, sodass der Webspace und die Domain irgendwann ausliefen. Nach etwa 2 Jahren versuchte der Käufer über einen Anwalt an mich heranzutreten, um die Domain und den Inhalt zu erwirken, jedoch befand sich weder die Domain, noch der Inhalt in meinem Besitz. Als ich das dem Anwalt erklärte, dass der Käufer hier geschludert hatte, wurde die Kommunikation von seitens des Anwalts eingestellt und ich hörte nie wieder etwas. Schon komisch, wie manche Leute ihr Geld verbrennen.

Zur Zeit habe ich keine nebenberufliche Selbstständigkeit mehr, weil mich meine Familie, meine Arbeit und meine Immobilien so weit vereinnahmen, dass ich hierfür nicht die notwendige Fokussierung aufbringen kann. Ich habe keine Lust physische Waren zu verkaufen, zumindest nicht, die ich selber lagern, verpacken und verschicken muss. Mal sehen wohin die Reise hier hingeht.

 

Außergewöhnliche Investitionen

Last but not least habe ich seit Kurzem noch ein paar außergewöhnliche Anlagetypen für mich entdeckt und zwar P2P-Kredite und Lego. P2P-Kredite sollte eingentlich bekannt sein. Ich verleihe über mehrere Plattformen Geld an Privatpersonen, die dieses für diverse Bereiche nutzen. Dabei kann ich z.B. festlegen, wofür das Geld verwendet werden darf (Konsumentenkredit, Geschäftskredit, usw.). Auch kann ich den Risikograd und damit natürlich auch die Rendite festlegen. Einige Plattformen bieten sogar eine Rückzahlungsgarantie an, sodass man fast risikofrei wieder an sein Geld kommt. Warum ich “fast” schreibe, erkläre ich euch in einen meiner Blogs.

Lego als Anlageform habe ich über einen Podcast entdeckt. Lego ist sehr wertstabil und die Sets sind meistens zeitlich limitiert. Wenn man nun seinen Spieltrieb in Zaum halten kann und die neuen Legosets nicht auspackt, sondern trocken und dunkel einlagert, kann man ein paar Jahre später mehrere 100% Gewinn erwirtschaften. Ich habe am Anfang sicherlich ein paar Fehler bei der Auswahl gemacht, aber ich denke, dass ich bei keinem Kauf im Minus landen werde. Bei beiden Anlagearten bin ich natürlich nur mit kleineren vierstelligen Beträgen investiert, da ich hier erst einmal testen muss und musste. Dazu werde ich noch extra Blogeinträge über meine Erfahrungen schreiben.

3 Kommentare

  1. Hallo Eduard,

    tolle Themenauswahl für deinen Block und interessant, wie dein bisheriger Weg war. Von Lego hab ich noch nie was gehört 😀

    Da dein Schreibstil und deine Transparenz sehr ähnlich zu meiner ist, werde ich hier des öfteren vorbei schauen!

    Viele Grüsse,
    Alexander vom vermietertagebuch.com

  2. Moin Eduard,
    Sehr interessante Beiträge. Wir haben einige Gemeinsamkeiten wie ich verwundert feststellen musste. Komme ebenfalls aus Nienburg. Besitze ebenfalls einige Immobilien. Bin ebenfalls Soldat (BS), auch wenn du es nicht mehr bust. Ebenfalls in der Sowjetunion geboren. Verkaufe bei Amazon und bald Ebay. Habe ebenfalls mit Börse zu tun wobei es eher ETFs sind. Würde mich freuen wenn man sich mal auf einen Kaffee in Nienburg trifft um sich auszutauschen. Kannst dich gerne bei mir melden wenn du magst ? Schreib mir auf die Email um Nummern auszutauschen wenn du magst. Sergej

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