Investieren in P2P-Kredite – Teil 2: Bondora.com

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Nachdem ich letzte Woche Mintos als P2P-Plattform ins Visier genommen hatte, kommt heute der versprochene 2. Teil meines Erfahrungsberichtes über Bondora*. Auch hier habe ich seit August 2017 genau 1000 € investiert. Neben meiner Einschätzung zu Bondora*, werde ich auch immer wieder einen Vergleich zu Mintos ziehen, um Parallelen und Unterschiede aufzuzeigen.

 

Wie arbeitet Bondora?

Bondora ist wie Mintos* keine reine P2P-Plattform im herkömmlichen Wortsinne von Peer-to-Peer (Kredit von Person A an Person B). Der Unterschied zu Mintos* ist der, dass bei Mintos zur Zeit 35 Kreditanbahner (Fremdfirmen) im Vorfeld als Kreditgeber in Erscheinung treten. Diese Kreditunternehmen verkaufen dann Teile dieser Kredite an uns Privatinvestoren.

Bei Bondora* läuft es sehr ähnlich, nur dass Bondora keine Fremdfirmen als Kreditanbahner unter Vertrag nimmt, sondern Kredite von dem Mutterkonzern, der Bondora AS, auf der P2P-Plattform anbietet. Durch diesen Weiterverkauf senkt der Mutterkonzern ihr Portfoliorisiko.

 

Allgemeines zu Bondora

Die Bondora Capital OÜ, wie die P2P-Plattform offiziell heißt, ist eine Tochtergesellschaft der oben erwähnten Bondora AS. Sie hat ihren Sitz in Tallinn/Estland und wurde dort 2009 als Kreditvergabeplattform gegründet.

Bondora* hat sich auf unbesicherte Kreditvergaben spezialisiert und dafür ein Ratingsystem zur Risikobewertung und einen eigenen Schuldeintreibungsservice aufgebaut.

Laut der plattformeigenen Statistik hat Bondora* bis heute Kredite in Höhe von etwas mehr als 117.000.000 € vergeben und somit deutlich weniger als Mintos mit weit über 500.000.000 €.

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Bei Bondora* kann man bereits ab einem Euro in Kredite investieren. Die Zinssätze beginnen im hohen einstelligen Bereich bis hin in den dreistelligen Bereich. Ja, ihr habt richtig gehört, es sind teilweise Zinsen von mehr als 100 % möglich.

 

Sicherheiten und Risiken

Die Muttergesellschaft, die Bondora AS, wird durch die estnische und finnische Finanzregulierungsbehörde überwacht.

Darüber hinaus hat Bondora* ein internes Kreditranking, wonach die Kreditnehmer in unterschiedliche Bonitätsstufen eingeordnet werden. Hiernach bewertet das Unternehmen den Kreditnehmer in den folgenden Bereichen:

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Die Erfahrung beim Scoring gibt Bondora* mit Analyse von mehr als einer Milliarde Anträgen an. Somit dürfte eine relativ stabile Berechnungsgrundlage vorhanden sein. Reichen die intern gesammelten Daten für eine verifizierte Berechnung nicht aus, so greift Bondora auf externe Datenquellen, z.B. Auskunfteien, zurück.

Die Datensätze der Kreditnehmer werden nach internen Richtlinien anschließend in acht Risikostufen eingeordnet und dementsprechend der Zinssatz festgelegt.

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Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass die Daten eine mathematische Prognose für die kommenden 12 Monate darstellen. Die Aussagekraft des Ratings verliert danach immer stärker an Genauigkeit. Ob nach 12 Monaten eine erneute Prüfung der Bonität erfolgt, ist mir nicht bekannt. Die in der Tabelle angezeigten Prozentzahlen weisen die erwarteten Verluste aus (EL=estimated loss). Zum Beispiel geht Bondora bei einem HR-Rating von mindestens einem 25%igen Anteil der Bruttozinsen, die aufgrund von Ausfällen nicht gezahlt werden.

Bei Bondora* gibt es keine Rückkaufgarantie wie die bei Mintos. Das ist im Grunde der größte Unterschied zwischen den Plattformen. Bondora* versucht das größere Risiko durch höhere Erträge zu kompensieren. Was ihnen scheinbar auch gelingt. Dazu aber nachher mehr, wenn es um die Analyse meines Portfolios geht. Man kann allerdings eine Art Notverkauf durchführen. Hierzu legt man den Betrag fest, der liquide gemacht werden soll und Bondora verkauft diese automatisch auf dem Sekundärmarkt. Wie bereits geschrieben, sollte das auch tatsächlich nur im Notfall genutzt werden, da dadurch die Gewinne geschmälert werden und durch Abschläge sogar in Verluste ausarten können.

 

Renditen

Bondora* gibt die durchschnittliche Nettojahresrendite mit 12,5 % an

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Wobei der durchschnittliche Zinssatz bei sagenhaften 32,8 % liegt.

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Was sagt das also aus? Es gibt relativ viele Ausfälle bei den Krediten. Hierbei ist also eine hohe Diversifikation von großer Bedeutung. Wenn man aber einen guten Mix zwischen den Hochrisikokrediten und den sicheren AA-Krediten findet, kann man durchaus attraktive Renditen einfahren.

Meine eigene Nettorendite liegt bei sagenhaften 19,27 %, was deutlich mehr als die 11,84 % von Mintos sind.

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Nun, wie bereits im ersten Teil bei Mintos schon erwähnt, ist die Rendite auch immer der Ausdruck an eingegangenen Risiken. Um höhere Renditen zu erwirtschaften, muss man höhere Risiken eingehen. Warum bin ich also bei Bondora risikobereiter als bei Mintos? Das liegt daran, dass Bondora* keine Rückkaufgarantie vergibt. Daher muss man schon deswegen höhere Risiken eingehen. Durch eine breite Diversifikation erreicht man aber wirklich anständige Chancen-/Risikoverhältnisse. Mein Portfolio besteht aus folgenden Risikoklassen

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Sekundärmarkt

Wie bereits bei Mintos*, gibt es auch bei Bondora* einen Sekundärmarkt. auch hier lassen sich vorhandene Kredite verkaufen oder andere Kredite mit Auf- und Abschlägen kaufen. Wie groß der Sekundärmarkt bei Bondora ist, lässt sich leider nicht genau einschätzen, weil es hierzu keine Anzeige gibt. Die Einstellmöglichkeiten sind hier sehr beschränkt und nicht so komfortabel wie bei Mintos*. Man kann de facto keine Parameter für die Einschränkung der Kredite einstellen. Man kann sich lediglich die einzelnen Spalten auf- bzw. absteigend anzeigen lassen. Das ist äußerst userunfreundlich und kann bei händischer Suche nach Krediten sehr viel Zeit kosten.

 

Portfolio Manager und Portfolio Pro

Der Portfolio Manager ist quasi eine abgespeckte Version des Auto Invest, welches man von Mintos* kennt. Hier lassen sich nur wenige Einstellungen, z.B. Höhe der Investments, Risikoprofil, usw. einstellen. Der große Vorteil des Portfolio Managers ist der, dass er auch auf dem Sekundärmarkt tätig wird und das nach den zuvor eingestellten Parametern.

Der Portfolio Pro ist ebenfalls ein automatischer Investor. Hier lassen sich die einzelnen Ratingkennzahlen auswählen, die Zinssätze, Kreditlaufzeiten und auch die Kreditländer. Nach Aktivierung beginnt er selbstständig Kredite vom Primärmarkt zu kaufen. Auf den Sekundärmarkt kann er leider nicht zugreifen. Es lassen sich mehrere Portfolios einstellen, um z.B. ein Portfolio mit hohem Risiko und ein anderes mit niedrigem Risiko zu betreiben.

Ich finde es ein wenig umständlich, dass Bondora hier zwei Auto-Invest-Funktionen eingefügt hat. Ich verstehe den Sinn nicht so ganz und denke, dass man diese Funktionen auch gut in einem Manager hätte unterbringen können.


Fazit und Vergleich zu Mintos

Bondora* ist eindeutig meine besser laufende P2P-Plattform. Die Renditen sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Die Usability finde ich bei Mintos* deutlich angenehmer. Dort lässt sich vieles detailreicher einstellen und man hat das Gefühl mehr Kontrolle zu haben. Bondora* verfolgt eine etwas andere Strategie als Mintos. Mintos* mehr darauf, dass der Investor die größtmögliche Sicherheit wählen kann. Bondora* verzichtet auf Garantiezusagen und regelt die Risiken mit Ratingseinordnungen, hohen Renditen und breiter Diversifikation.

Ich wüsste nicht, welcher P2P-Plattform ich den Vorzug geben würde, wenn ich mich nur für eine entscheiden müsste. Beide haben ihre Reize und zum Glück muss ich keine selektieren. Auch könnte ich nicht sagen, welche Plattform die besseren Überlebenschancen hätte, wenn es mal zu wirtschaftlichen Turbulenzen käme. Ich überlege meine Plattform-Diversifikation auszubauen und auch in Twino zu investieren. Ich denke, es kann nicht schaden sich noch breiter aufzustellen. Über Twino habe ich bereits einiges gehört und werde es wahrscheinlich auch bald mal testen.

6 Kommentare

  1. Ich hab bei bondera gleich mal meine 5 Euro Einstiegsgeld verprasst. Hab irgendwo rumgeklickt und weg war mein Geld ? keine Ahnung wo ich investiert habe. Eindeutig eigene Blödheit ? bin gespannt wann und ob es wieder auftaucht ^^

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